Im Gegensatz zu den klassischen Psychotherapien konzentriert sich die Familientherapie nicht auf den Einzelnen, sondern auf das System der Familie. Psychische Symptome werden in ihrer Funktion für das soziale System betrachtet. Die zentrale Annahme dabei ist: Wenn sich eines der Familienmitglieder ändert, führt dies auch zu einer Veränderung des Systems. In der Therapie werden die Ressourcen der Beteiligten entdeckt und mobilisiert und für neue, konstruktive Konfliktlösungen genutzt. In der Familientherapie existieren verschiedene Richtungen und Arbeitsweisen: Manche Familientherapeuten arbeiten ausschließlich mit der ganzen Familie, andere zentrieren sich aber auch auf ein Familienmitglied. Der jeweiligen Situation entsprechend werden verschiedene Techniken angewandt wie z. B. Familienskulptur aufstellen oder das zirkuläre Fragen.
Fetischismus
Es handelt sich um den Gebrauch bestimmter Objekte für die sexuelle Erregung und zur sexuellen Befriedigung. Fetischismus ist dann als Krankheitsbild zu begreifen, wenn der Fetisch die wichtigste oder einzige Quelle sexueller Erregung ist, ohne den keine sexuelle Befriedigung erreicht werden kann.
Fokaltherapie
Diese psychoanalytische Kurzzeittherapie konzentriert sich auf einen zentralen Belastungskonflikt, der als erklärend für das Symptom betrachtet wird. Das Verhalten des Patienten gegenüber dem Therapeuten stellt den wichtigsten Ansatzpunkt zur Deutung des seelischen Konflikts dar. Die Fokaltherapie wird den tiefenpsychologischen Verfahren zugeordnet.
Frontalhirnsyndrom
Es bestehen aufgrund einer hirnorganischen Erkrankung breitgefächerte und schwerwiegende Veränderungen in der Äußerung der Gefühle, Bedürfnisse und Impulse.
Ganser-Syndrom
Das Ganser-Syndrom gehört zu den dissoziativen Störungen. Es treten die für eine dissoziative Störung typischen Symptome auf: Allgemeines Kennzeichen ist der teilweise oder völlige Verlust der Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der unmittelbaren Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Die Fähigkeit zu bewusster und selektiver Kontrolle darüber, was in die unmittelbare Aufmerksamkeit gerät, ist in einem Ausmaß gestört, das sich von Tag zu Tag oder von Stunde zu Stunde verändern kann. Auf die Probleme und Schwierigkeiten angesprochen, verleugnet sie der Patient oft vehement.
Generalisierte Angst
Dabei handelt es sich um eine starke Ängstlichkeit, die von sehr vielen Lebenssituationen ausgelöst wird. Es stehen somatische Beschwerden wie Schwitzen, Herzklopfen und eine ständige Übererregung des Körpers im Vordergrund. Die Anspannungszustände werden dabei als so bedrohlich und unerträglich erlebt, dass die Patienten oft nicht in der Lage sind, ihr Haus zu verlassen.
Gesprächspsychotherapie
Der amerikanische Psychologe Carl R. Rogers (1902-1987) entwickelte den personzentrierten Ansatz, bei dem die Person und nicht das Problem im Zentrum steht. Sein Ansatz basiert auf drei Grundvoraussetzungen. Der Therapeut begegnet dem Patienten mit Wertschätzung, Einfühlungsvermögen und Echtheit. Eine so gestaltete Beziehung ermöglicht es dem Klienten, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren. Die "Kraft der Beziehung" (Rogers) ist von zentraler Bedeutung und damit entscheidend für den Therapieerfolg. In Deutschland ist diese Methode unter den Namen "Gesprächspsychotherapie" oder "Klientenzentrierte Psychotherapie" bekannt geworden.
Gestalttherapie
Die Gestalttherapie wurde von dem Psychoanalytiker Fritz Perls (1893-1970) entwickelt. Es geht darum, ungelebte Persönlichkeitsanteile bewusst zu machen, Kontaktstörungen und Blockaden im Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Verhalten erlebbar zu machen. Gespräche, Traumarbeit, Elemente des psychodramatischen Rollenspiels, kreative Medien, Wahrnehmungs- und Körperübungen werden als Methoden in der Gestalttherapie eingesetzt.
Hausbesuchen
In der Regel findet Psychotherapie in den Praxisräumen des Psychotherapeuten statt. Es gibt jedoch Situationen, in denen die Behandlung in der Wohnung des Patienten sinnvoll und notwendig ist. Beispiele dafür sind Patienten mit so starken Angsterkrankungen, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen können oder Patienten, die durch körperliche Erkrankungen an ihre Wohnung gebunden sind.
Hebephrenie
Schizophrenieartige Erkrankung, bei der affektive Veränderungen im Vordergrund stehen und die häufig bei jüngeren Menschen auftritt. Es finden sich flüchtige und bruchstückhafte Wahnvorstellungen. Das Verhalten ist gekennzeichnet von Kichern, Lächeln, Grimassieren, Sprunghaftigkeit und immer wiederholten Äußerungen. Die Sprache ist weitschweifig und zerfahren, es fällt schwer, den oft bevorzugten abstrakten theoretischen Abhandlungen zu folgen.
Hospitalismus
Mangel an emotionaler, geistiger und motorischer Stimulierung z.B. bei längeren Aufenthalten in Krankenstationen, Kinderheimen oder bei gravierender Vernachlässigung im Elternhaus können bei Kindern zu dieser deutlich ausgeprägten Entwicklungsstörung führen.
Hypnose
Hypnose hat als therapeutisches Verfahren eine lange Tradition. Seit Jahrtausenden sind Suggestionen und Trance-Rituale wichtige Bestandteile von Heilungsprozessen, deren Bedeutung in der Psychotherapie und Medizin zunehmend wieder erkannt wird. Der hypnotische Trancezustand wird vom Patienten als tiefe Entspannung empfunden, wobei manchmal innere Bilder oder Gefühle zugänglich werden, die als wesentlich intensiver wahrgenommen werden als im Wachzustand. Die Aufmerksamkeit ist nach innen gerichtet und der Patient ist empfänglicher für eine bildhafte Sprache. Die unterschwellige Wahrnehmung ist geschärft. Direkte und indirekte Suggestionen öffnen den Zugang zu verborgenen Fähigkeiten und unbewussten Potentialen. So können latente Fähigkeiten nutzbar gemacht werden.
Hypnotherapie
Milton Erickson (1902-1979) hat die Hypnotherapie aus der klassischen Hypnose entwickelt, die zumeist ergänzend eingesetzt wird. Die Hypnotherapie geht davon aus, dass viele Probleme und Konflikte dem Bewusstsein nur schwer zugänglich sind und sich daher in körperlichen und seelische Beschwerden ausdrücken können. Durch die Hypnotherapie können Menschen lernen, eigene Assoziationen, Erinnerungen und ungenutzte Fähigkeiten für sich nutzbar zu machen. Der Patient lernt hier zum Beispiel, sich in leichte Trance zu begeben und in gelöster, konzentrierter Ruhe sich mögliche Lösungen seiner Probleme vorzustellen.
Hysterie
Es besteht eine Erlebnisreaktion auf traumatische oder andere emotional einschneidende Lebensereignisse, die mit körperlichen Symptomen, wie z. B. Lähmungen, Unruhezuständen, Koordinationsstörungen und psychischen Symptomen, wie mangelnder Affektkontrolle, Wein- und Schreikrämpfe, einhergeht.
Katathymes Bilderleben
Das katathyme Bilderleben geht davon aus, dass Vorstellungen, die in unseren Tag- und Nachtträumen präsent werden, unbewusste Konflikte repräsentieren. Durch die Deutung und Bearbeitung solcher Bilder und Phantasien wird eine Konfliktverarbeitung möglich.
Klinische Neuropsychologie
Neuropsychologische Therapiemethoden wurden für Patienten mit organisch bedingten psychischen Störungen entwickelt, z. B. für Unfallopfer mit Hirnverletzungen oder für Schlaganfallpatienten. Dabei versucht die klinische Neuropsychologie, verloren gegangene Fähigkeiten wieder herzustellen oder einen Ausgleich dafür zu schaffen.
Kognitive Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie ist das experimentell am häufigsten untersuchte Psychotherapieverfahren. Die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode kann für einen breiten klinischen Anwendungsbereich wissenschaftlich belegt werden. In der Verhaltenstherapie steht die Änderung eines problematischen Verhaltens im Mittelpunkt der Behandlung. Früher hat sich die Verhaltenstherapie auf exakt messbare Handlungen und Körperreaktionen beschränkt, seit den 1970er Jahren werden auch Gedanken und Vorstellungen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemverhalten und deren Beseitigung als wesentlich angesehen. Die Verhaltenstherapie versucht Fähigkeiten des Menschen zu mobilisieren und so problematisches Verhalten zu beseitigen. Beispiele für dafür eingesetzte Methoden sind: Konfliktmanagement-, soziales Kompetenz- oder Stressbewältigungstraining, Reizkonfrontationsverfahren und Modelllernen. Die Verhaltenstherapie ist ein Richtlinienverfahren, d.h. die Behandlungskosten können von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden.
Konfrontationsbehandlungen
Mit Konfrontation (auch Exposition) meint man in der Psychotherapie bei Angststörungen, dass angstauslösende Situationen aufgesucht oder angstauslösende Dinge getan werden, bis die Angst deutlich weniger geworden ist. In der Verhaltenstherapie ist die Konfrontation ein Teil einer umfangreicheren, mehr oder weniger individuell abgestimmten Behandlung. Dazu gehören auch Erklärungen und Übungen einschließlich zum Teil umfangreicher therapeutischer "Hausaufgaben" als Vorbereitung auf die eigentlichen Konfrontationsübungen. Ein großer Vorteil der Konfrontationsbehandlung ist, dass dieser therapeutische Ansatz für viele Menschen einleuchtend und überschaubar ist und tatsächlich oft rasche Hilfe bietet, wenn der therapeutische Rahmen insgesamt stimmt. Nachteilig kann es sein, wenn es allein bei der Konfrontationsbehandlung bleibt und die Lebenssituation, die Lebensgeschichte und die Persönlichkeit der Betroffenen nicht genug berücksichtigt werden. Wird dann noch die "Erlösung von allem Übel" vom Patienten erhofft, stellt sich irgendwann Enttäuschung ein. Insbesondere dann, wenn die Therapie doch nicht so erfolgreich war, nicht alle Probleme gelöst wurden oder wenn neben der Angst noch andere Problembereiche deutlich werden.
Konversionsstörungen (Dissoziative Störungen)
Es handelt sich dabei um eine Störung, bei der Erinnerungen an
die Vergangenheit teilweise oder völlig abgespalten werden. Gleiches kann für das Identitätsbewusstsein, die unmittelbaren Empfindungen sowie für die Kontrolle von Körperbewegungen zutreffen. Die Fähigkeit zu bewusster und selektiver Kontrolle darüber, was in die unmittelbare Aufmerksamkeit gerät, kann stark schwanken.
Kriseninterventionen
Für Menschen, die in eine Krise geraten, ist die frühzeitige psychotherapeutische Betreuung besonders wichtig. Die manchmal sprachlos machende Trauer und das unerträglich scheinende Leid wird so gemeinsam ausgehalten. Besonders in der ersten Phase der Betreuung ist die engagierte Präsenz des Therapeuten wichtiger als das Gespräch. Ziel der Krisenintervention ist die Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit sowie die Unterstützung bei der Bewältigung der Eindrücke und der emotionalen Stabilisierung. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen werden gemeinsam mit dem Traumatisierten erschlossen und nutzbar gemacht.
Kunsttherapie
Die Kunsttherapie ist eine junge therapeutische Disziplin, die auf Impulse in den USA und Europa in der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückgeht und eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen und Methoden zusammenfaßt. In der Kunsttherapie wird hauptsächlich mit Medien der Bildenden Kunst gearbeitet. Dazu zählen malerische oder zeichnerische Medien, plastisch-skulpturale Gestaltungen oder auch fotografische Medien. Durch sie können Patienten unter therapeutischer Begleitung innere und äußere Bilder ausdrücken, ihre kreativen Fähigkeiten entwickeln und ihre sinnliche Wahrnehmung ausbilden. Kunstherapeutische Methoden können ferner der Förderung von Identität und Selbstvertrauen dienen. Insbesondere auch dort, wo der sprachliche Ausdruck schwierig ist, weil es an Vertrauen oder Worten fehlt oder der Patient sich nicht äußern kann oder möchte, können Mittel und Materialien der Bildenden Künste einen Schlüssel für therapeutische Prozesse darstellen. Grundsätzlich bedarf es bei der Kunstherapie keiner künstlerischen Begabung oder künstlerischer Vorkenntnisse.