Wenn der Arbeitsplatz zur Arbeits-Last wird: Mehr Burn-out und Mobbing in der Wirtschaftskrise

Die Zahl der Firmenpleiten und die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nimmt beängstigende Ausmaße an. Täglich lesen und hören wir von neuen Insolvenzen...

Die Zahl der Firmenpleiten und die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nimmt beängstigende Ausmaße an. Täglich lesen und hören wir von neuen Insolvenzen. Läden und Geschäftsräume stehen leer - dahinter vermutlich menschliche Katastrophen. Selbst große Unternehmen bieten keine sicheren Arbeitsplätze mehr, wie die Mega-Pleiten von Babcock Borsig, Kirch Media und Philipp Holzmann eindrücklich belegen.

Aber auch für viele Menschen, die "noch" einen Arbeitsplatz haben, hat die Wirtschaftskrise verheerende Folgen:

Viele trauen sich heutzutage nicht ihre Stelle zu kündigen, auch wenn sie am alten Arbeitsplatz nicht zurechtkommen oder woanders bessere Karrierechancen hätten. Man weiß schließlich nie, wie man im neuen Job klarkommt. Das Prinzip heißt Augen zu und durchhalten! Die Angst grassiert in allen Schichten. Die Jungen trauen sich kaum noch, sich für eine Ausbildung oder ein Studium festzulegen, sie wissen nicht, in welcher Branche sie wirklich sicher sind. Die Älteren, die bereits fest etabliert sind, wollen den Besitzstand wahren und halten mit allen Mitteln an alten Privilegien fest.

Die Konzeptlosigkeit der Regierung erzeugt in weiten Teilen unserer Bevölkerung Ärger und Unruhe bis hin zu Stress, Angst und Panik.

Jeder weiß, dass sich Angst und Stress nicht unbedingt förderlich auf die Qualität der Arbeit auswirken; die Konzentrationsfähigkeit leidet, Fehler sind vorprogrammiert. So kann folgender Teufelskreis entstehen:

  1. Die Sorge um den Arbeitsplatz führt zu vermehrten Anstrengungen, Personaleinsparungen führen zu effektiv mehr Arbeit;
  2. durch die überhöhten eigenen Ansprüche und die stärkeren betrieblichen Anforderungen kommt es zur Überlastung;
  3. die Überlastung erfordert vermehrte Anstrengung, z.B. mehr Überstunden, was automatisch weniger Freizeit und Entspannung bedeutet, der Stresspegel steigt;
  4. Stress und Angst reduzieren oder blockieren die Konzentration, es kommt häufiger zu Fehlern, die Arbeitszeit ist nicht mehr effizient;
  5. dies verursacht neuen Stress, was wiederum zu vermehrter Anstrengung führt,
  6. selbst zu Hause findet man keine richtige Entspannung mehr, es kommt u.a. zu Schlafstörungen, Grübelzwang und Antriebsschwäche - den typischen Burn-out Symptomen.

Wer das auf Dauer durchhält, braucht gute Ressourcen und vor allem ein stabiles privates Umfeld. Wenn es gleichzeitig an der Beziehungsfront bröckelt, die Tanks nicht mehr nachgefüllt werden, kann das zu einer schweren Lebenskrise führen.

Trotz allem geht jeder Mensch individuell verschieden mit Angst und Stress um. Einige können besser verdrängen und schieben alle Gedanken beiseite, die sie beunruhigen könnten. Sie schaffen es, gelassen und hartnäckig so weiter zu arbeiten wie früher, auch wenn das Arbeitspensum zugenommen hat. Sie identifizieren sich nicht mit dem Job, sondern halten innerlich Distanz. So schützen sie sich vor Enttäuschungen und Frustrationen. Familie und Freizeit haben Vorrang vor der Karriere und sind der wichtigste Ausgleich.

Für andere ist jedoch der Arbeitsplatz gleichbedeutend mit Sicherheit und Geborgenheit. Hier findet man Anerkennung und Bestätigung. Die Kollegen sind gleichzeitig Freunde und manchmal nimmt der Chef eine Rolle ein, die an einen strengen, aber gerechten Vater erinnert, der seine Kinder versorgt, solange sie gehorsam sind. Die Firma wird zum Familienersatz. Wenn dann die Wirtschaftskrise in ein solches Idyll einschlägt, kommt es leicht zu persönlichen Katastrophen. Dann sind nicht nur Arbeitsstelle und Einkommen gefährdet, sondern gleichzeitig sämtliche sozialen Kontakte.

Kommt es zu betriebsinternen Kündigungen, stellen sich alle Mitarbeiter die Frage, wen es zuerst treffen wird. Rivalitäten sind vorprogrammiert, jetzt zeigt sich, wen der Chef wirklich schätzt und mag. Um die eigene Position zu festigen, kommt es zu Denunzierungen bis hin zum gezielten Mobbing. Einer wird zum Sündenbock deklariert, die restliche Mannschaft hält zusammen und so sichert jeder seine Position.

Wie auch immer sich ein Kollegium zusammensetzt, das Klima ist angespannt, der Druck überall spürbar, die Konjunkturflaute trifft auf alle Bereiche zu.
Die Krankmeldungen nehmen ab, die Krankheiten sicher nicht.
Ein Eldorado für Infekte und Infarkte!

kh