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Trennungskinder

„Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.“

Können Kinder durch die Trennung der Eltern auch gewinnen?

Natürlich ist die Trennung der Eltern für Kinder und Jugendliche ein schmerzhaftes Erlebnis, dem häufig viele Jahre Leid vorausgehen und nachfolgen. Die Kinder lieben beide Eltern und wünschen sich eine komplette Familie. Das ist auch heute noch so, obwohl es Jugendliche gibt, die über die Vorteile der getrennt lebenden Eltern laut tönen. Sie haben oft mehr Freiheiten als die anderen.

Es ist schon schwer genug, einem Pubertierenden Grenzen zu setzen und erzieherisch einzuwirken. Die meisten Eltern klagen über unaufgeräumte Zimmer, schlampige Hausaufgaben, freche Antworten ... In dieser Zeit wird viel gestritten und diskutiert. Die Jugendlichen wollen sich abgrenzen, dazu brauchen sie die Provokation. Sie stellen die Werte der Eltern in Frage, kritisieren vieles, wollen später alles anders machen - eine wichtige Entwicklungsphase im Leben eines jungen Menschen. Bleibt sie aus, weil dem Kind immer nachgegeben wird oder weil keiner mehr richtig hinguckt, sind damit manches Mal fatale Folgen vorprogrammiert.

Die Zeit der Pubertät ist immer eine schwere Zeit für die ganze Familie, eine Zeit des Experimentierens und der Veränderung. Es ist auch dann schwer, wenn Vater und Mutter sich verstehen und zusammenhalten.

Wie soll das eine alleinerziehende Mutter, ein alleinerziehender Vater schaffen?

Kinder kennen ihre Eltern wie kein anderer. Sie kennen die Stärken und besonders genau die Schwachstellen. Sie wissen, wie sie vorgehen müssen, um ihren Willen durchzusetzen.

Ein Jugendlicher darf nach gängiger Rechtssprechung selbst bestimmen, bei welchem Elternteil er leben möchte. Meist ist es die Mutter, da sie sich von Anfang an mehr um das Kind gekümmert hat. Versucht sie aber ihrem jugendlichen Kind notwendige Grenzen zu setzen, dann hat das Kind jetzt viel mehr Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Es kann zum Vater ziehen, wenn ihm was nicht passt. Es kann damit die Mutter unter Druck setzen. Selbst wenn der Vater weit weg wohnt oder es seit Jahren keinen Kontakt gibt, wird zumindest damit gedroht. So ergattern manche sich „Vorteile“, die es bei gemeinsamer Elternschaft nicht gäbe.

Natürlich gibt es auch getrennt lebende Eltern, die sich gemeinsam um das Wohl und die Erziehung des Nachwuchs sorgen und zwar so lange, bis das Kind erwachsen ist. Ebenso gibt es nicht wenige Eltern, die zwar zusammen leben, bei denen aber die „Kinderarbeit“ strikt aufgeteilt ist. Nur in diesem Fall kann das Kind nicht zum andern flüchten, wenn es ihm beim einen nicht gefällt.

Was kann dieses „Mehr“ an Freiheit, die „unfreiwillige Freiheit“ für die Familie bedeuten?

Zum einen bringt es die Erziehungs- bzw. Disziplinierungsversuche zum Scheitern und erzeugt damit frustrierte, schuldbewußte Mütter, die je nach ihrer Persönlichkeit die Versuche, Grenzen zu ziehen, verstärken oder, was schlimmer ist, ganz aufgeben. Diese Frauen werden so in Rollen gedrängt, die keiner will; im Extrem wird daraus die „keifende Alte“ oder die „Depressive“.

Zum andern gibt es Väter, die endlich wieder gebraucht werden. Viele haben jahrelang unter ihrem schlechten Gewissen gelitten, wußten sie doch nie so genau, wie sie bei der Besucherregelung mit ihrem Sproß umgehen sollten. Verkrampfte Treffen wurden immer seltener, die Distanz zum Kind vergrößerte sich und nicht selten hörte der Kontakt im Laufe der Jahre ganz auf.

Durch die Krise zwischen Mutter und Kind erhalten diese Väter scheinbar eine neue Chance. Sie können sich endlich wieder als Vater fühlen und beweisen. Auch wenn ihnen vielleicht nicht immer wohl ist bei dem Gedanken, ihren Heranwachsenden zu sich und der neuen Partnerin zu nehmen, so erhoffen sie sich doch die Möglichkeit, Verlorenes nachzuholen und teilen dem Kind implizit mit, dass sie es jederzeit aufnehmen würden.

Zum Schluß bleiben die Folgen für das Kind. Hin und her gerissen im Strudel der Gefühle, will es heute Nähe und morgen Distanz. Es liebt und versteht die Mutter und muß sich doch mit aller Gewalt abgrenzen. Aggressionen, Schuldgefühle, Notendruck und Geschlechterkampf, wen wunderts, wenn sie einfach nur weg wollen, flüchten vor der Realität. Der Vater als Rettung, als Ausweg, als Projektionsfläche für das, was sie suchen?

kh